11. Juni 2026 · 5 Min. Lesezeit
Dein Baby schaut fasziniert auf deinen Teller. Es verfolgt die Gabel mit den Augen, leckt sich die Lippen, und sitzt inzwischen ganz gut. Ist es so weit, Zeit für Beikost? Diese Zeichen sind tatsächlich gute Hinweise, dass dein Baby bereit ist.
Die WHO empfiehlt, Babys etwa sechs Monate ausschließlich zu stillen. Für Deutschland empfiehlt das Netzwerk Gesund ins Leben, Beikost frühestens mit Beginn des 5. Monats und spätestens mit Beginn des 7. Monats einzuführen, abhängig davon, wann das Baby bereit ist. Die ESPGHAN (Europäische Gesellschaft für pädiatrische Gastroenterologie und Ernährung) nennt eine ähnliche Spanne: nicht vor der vollendeten 17. Lebenswoche, nicht nach der vollendeten 26. Lebenswoche.
Das genaue Alter ist weniger wichtig als die Zeichen der Bereitschaft.
Dein Baby ist wahrscheinlich bereit, wenn es: mit etwas Unterstützung sicher sitzen kann, den Kopf stabil hält, Interesse an Essen zeigt (schaut zu, greift nach dem Essen), und den Zungenstreckreflex verloren hat, das bedeutet, es streckt Essen nicht mehr automatisch aus dem Mund heraus.
Zahnen allein ist kein Zeichen für Bereitschaft. Manche Babys zahnen früh, sind aber noch nicht bereit. Manche starten ohne sichtbare Zähne bestens mit Beikost.
Biete nach und nach unterschiedliche Lebensmittel an. Auch potenziell allergieauslösende Lebensmittel müssen nicht vorsorglich hinausgezögert werden. Bei einem bekannten hohen Allergierisiko oder bereits bestehenden Allergien besprich die Einführung mit deinem Kinderarzt.
Der klassische deutsche Beikostplan beginnt mit einem Gemüse-Kartoffel-Fleisch-Brei, dann folgt ein Milch-Getreide-Brei und ein Getreide-Obst-Brei. Beim Milch-Getreide-Brei ist Kuhmilch im ersten Jahr übrigens eine Zutat, kein Getränk, wie viel Kuhmilch für Kleinkinder passt, liest du hier. Fingerfood und Brei schließen sich nicht aus. Das Netzwerk Gesund ins Leben empfiehlt weiterhin den bewährten Beikostplan als Orientierung, gleichzeitig kann dein Baby geeignete weiche Lebensmittel selbst mit der Hand essen. Wenn Familien ausschließlich Baby-led Weaning nutzen möchten, sollte besonders auf eine ausreichende Energie- und Nährstoffversorgung, unter anderem Eisen, geachtet werden. Wenn du zwischendurch zu Fertigbrei greifst, findest du im Artikel dazu, worauf du bei Fertigbrei achten solltest.
Wichtig bei beiden: eisenreiche Lebensmittel früh einführen, etwa Fleisch (auch als Püree), Linsenbrei oder angereicherte Getreidebreie. Gerade eisenreiche Lebensmittel sollten von Anfang an Teil der Beikost sein. Im zweiten Lebenshalbjahr steigt der Eisenbedarf, und Muttermilch oder Säuglingsmilchnahrung allein reicht dann nicht mehr aus, um den Bedarf sicher zu decken. Welche Lebensmittel besonders viel Eisen liefern, erfährst du im Artikel Eisen für Kleinkinder.
Laut einer Studie von Coulthard und Kollegen haben Kinder, die spät an Stückchenessen gewöhnt wurden (nach dem 9. Monat), mit 7 Jahren häufiger Schwierigkeiten mit fester Kost. Es lohnt sich, relativ früh, um den 7.–8. Monat, von glattem Brei zu weich-stückigen Texturen überzugehen, auch wenn es anfangs unordentlich wird.
Wenn dein Baby mit 7 Monaten noch kein Interesse an fester Nahrung zeigt, stark würgt oder Schluckprobleme hat, sprich mit deinem Kinderarzt. In den meisten Fällen ist alles normal, aber manchmal ist eine kurze Beratung hilfreich. Was dein Baby in dieser Phase noch nicht essen sollte, findest du in unserem Artikel Was darf mein Baby nicht essen?
Begriff kurz erklärt
Zungenstreckreflex: Ein angeborener Reflex, bei dem Babys Fremdkörper aus dem Mund herausstoßen. Er schützt Neugeborene vor Erstickung und bildet sich um den 4.–6. Monat zurück, ein Zeichen für Beikost-Bereitschaft.
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